Glocke der Kirche zu Rethwisch Die Kirche zu Rethwisch besaß ursprünglich 3 Glocken. Die älteste und zugleich größte Glocke von 1,10 m Durchmesser ist erhaltengeblieben. Die anderen Glocken wurden im Kriegsjahr 1942 abgeholt und kamen nicht wieder zurück.

Das Herstellungsjahr der mittleren Glocke mit einem Durchmesser von 0,85 m wird von SCHLIE mit1686 angegeben. Nach dieser Quelle wurde sie von Vites Sibenbaum gegossen. Nach einer anderen Quelle soll sie im Jahre 1658 geborsten und 1685 in Schwerin umgegossen worden sein.

Die kleinste Glocke mit 0,60 m Durchmesser wurde vom Glockengießer Frans Eggers aus Riga im Jahre 1597 gegossen. Nach der überlieferten Inschrift war sie von Frombhold Tiesenhausen und seiner Ehefrau Elisabeth Schoppingk für die Kirche zu Lubey bei Riga gestiftet worden. Wie sie nach Rethwisch kam, ist unbekannt. Aus einem erhaltengebliebenen Schriftwechsel zwischen dem Mecklenburg-Schwerinschen Hochbauamt Rostock und der Firma Sedlbauer & Sommerfeldt GmbH in Berlin aus dem Jahr 1929 erfahren wir, daß diese Glocke einen über die Hälfte der Glockenwandung klaffenden Riß besaß und deshalb seit Jahren nicht mehr benutzt wurde. Da die Glocke das einzige in Mecklenburg vertretene Werk von Frans Eggers war, wurde ihr Wert so hoch geschätzt, daß ein Umgießen nicht in Frage kam. Die genannte Firma bot an, den Riß nach einem speziellen Verfahren zu schweißen. Haltbarkeit und Klangreinheit seien gewährleistet. Ob die Glocke je geschweißt wurde, geht nicht aus dem Briefwechsel hervor. Aber vielleicht können ältere Einwohner Auskunft geben?

Die uns erhaltene Glocke wurde im Jahr 1412 von Rickert von Mönckehagen gegossen. Dies folgt aus einem Gießerzeichen auf der Glocke. Das bedeutet, daß schon damals mindestens ein Glockenstuhl oder ein Glockenturm existiert haben muß. Tatsächlich hat eine kürzlich vorgenommene dendrochronologische Untersuchung eines eichenen Ständers des Kirchturms ergeben, daß der Baum im Jahre 1380 gefällt worden ist. Das ist eine kleine Sensation, denn aus den Kirchenakten hatte man bisher herausgelesen, daß der Turm aus dem 18. Jahrhundert stamme. Das neue Ergebnis wird auch dadurch bestätigt, daß die Zimmermannsarbeit die mittelalterliche Bauweise zeigt. Der Rethwischer Kirchturm ist damit der älteste bekannte hölzerne Kirchturm dieser Bauart in Norddeutschland.

Die ca. 780 kg schwere Glocke hat mittlerweile fast 590 Jahre ihren Dienst getan, und so blieben Verschleißerscheinungen nicht aus. Bedingt durch das Schlagen des Klöppels und eines nicht mehr vorhandenen Bethammers hat sich die Wandung um mehrere cm abgenutzt. Diese Abnutzungen wurden mit einem speziellen Verfahren im Glockenschweißwerk Hans Lachenmeyer in Nördlingen wieder aufgeschweißt. Die Firma Udo Griwahn aus Grimmen hat die Glocke demontiert, das Holzjoch, an dem die Glocke hängt, erneuert und sie wieder eingehängt.